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Klassiker im Porträt

Im Geist des Bauhaus folgten zahlreiche Designer bis in die 1940er Jahre dem Primat der Funktionalität. Nach einer Phase verspielter Form- und Farbgebung etablierten ab 1960 amerikanische und skandinavische Designer den Midcentury Style: Geradlinige und kombinierbare Möbel, die den Glaube an die Zukunft und unbegrenzte Lust am Experimentieren widerspiegeln.

Pioniere der Ergonomie

Seit Mitte der 1960er Jahre arbeiteten die italienischen Designer Piero Gatti, Cesare Paolini und Franco Teodoro eng zusammen, ihre Werke waren Gegentand zahlreicher Retrospektiven. Der Sacco, erstmalig 1968 der Öffentlichkeit vorgestellt, gilt als eine ihrer renommiertesten Arbeiten.

Ende der 1960er Jahre war Ergonomie der alles bestimmende Begriff. Einrichter und Designer begaben sich leidenschaftlich auf die Suche nach vollkommener Flexibilität ihrer Kreationen, so auch Gatti, Paolini und Teodoro. Ihr Ziel war die Schaffung eines unkonventionellen und doch für ein breites Publikum zugänglichen Sitzmöbels. Im Idealfall sollte das Stück seinen Besitzer an Schnee erinnern: „Man wirft sich hinein und hinterlässt einen Abdruck“.

Die Zahl anpassungsfähiger, sich in ihrer Form ändernder Möbel war in jenen Jahren überschaubar. So existierten zwar bereits Wasserbetten, jedoch mit unhandlichem Maßen und sehr hohem Gewicht. Die französische Gruppe Utopie experimentierte mit aufblasbaren Gummistrukturen, mit Hilfe derer Möbel recht einfach transportiert werden konnten. Jedoch entsprach die Ästhetik dieser Modelle nicht den Vorstellungen des Teams um Gatti. 1967 wurde dann der auf Luft basierende Sessel Blow von Italiens Einrichtungspionier Zanotta vorgestellt. Design, verwendete Materialien und Herstellverfahren waren revolutionär, der Sessel aufgrund seiner sehr harten Oberfläche jedoch recht unbequem. Daher wählten die drei Designer Schaumstoff als Grundlage ihres Sitzmöbels und experimentierten anfangs mit Blöcken aus Polyurethan; deren Beschaffung und Verarbeitung erwies sich jedoch als komplex und kostenintensiv. So konzentrierten sich Gatti, Paolini und Teodoro auf Füllungen in Form von Kugeln, das Team verwendete anfangs gar Ping-Pong-Bälle. Letztendlich fündig wurde Gatti in der Baustoffindustrie, dort setzte man schon längere Zeit Schaumstoffkügelchen zur Isolierung und Dämmung ein.

Entscheidender Impuls aus den USA

Nach Beendigung der Arbeiten beließen die drei Designer den ersten Prototyp zunächst im Depot – aufgrund ihrer Skepsis ob des kommerziellen Erfolgs eines solchen Sitzsacks. Nachdem jedoch ein amerikanisches Designmagazin um Bilder ihrer aktuellen Arbeiten bat, übermittelte das Team Ende 1967 auch ein Foto des Sacco. Kurze Zeit später meldete sich der italienische Repräsentant von Macy’s, der mächtigen Warenhauskette mit Sitz in New York. Produktscouts der Zentrale hatten den Sacco in besagtem Magazin entdeckt, nun wär man „an etwa 10.000 Exemplaren“ interessiert. Gatti erklärte, dass der Prototyp noch weiter modifiziert werden muss und ein Produktionsstart nicht abzusehen sei. Informationen zu Preisen und Lieferfristen waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht verfügbar.

Das Angebot über die Abnahme von 10.000 Exemplaren erleichterte dem Team die Kontaktaufnahme mit in Frage kommenden Produzenten. Schnell fiel die Wahl dabei auf Zanotta, die kurz zuvor mit oben erwähntem „Blow“ eines der wenigen vergleichbaren Möbelstücke der Öffentlichkeit vorgestellt hatten. In kurzer Zeit gelang es, die Inhaber vom Potential des Sacco zu überzeugen. Zanotta produzierte drei Prototypen und stellte diese erstmalig auf der Pariser Möbelmesse im Jahr 1968 aus. Der Rest der Geschichte ist. Der Sacco wurde vielfach prämiert und feierte 2018 sein 50-jähriges Bestehen. Zu Ehren dieses Jubiläums legte Zanotta eine limitierte Edition mit 50 exklusiven Modellen auf – mit so wohl klingenden Namen wie Bellissima und Il Casanova.

Eine Ikone wird 80

Kunst, Kultur, Kommerz: Seit über acht Jahrzehnten inspiriert der Hardoy Butterfly Chair Maler, Filmschaffende und die Kreativwirtschaft - und verleiht jedem Raum den Charme einer Estancia.

Wie kein zweites Objekt der klassischen Moderne vereint der Hardoy Butterfly Chair puristische Eleganz mit aussergewöhnlichem Sitzkomfort. 1938 von den Architekten Bonet, Kurchan und Ferrari-Hardoy für ein argentinisches Planungsbüro entworfen (daher im amerikanischen Raum auch als BKF Chair bekannt), galt der Sessel bereits Ende der 1950er Jahre als Klassiker. Seine aus vier Kreuzungspunkten bestehende Struktur beruht auf dem vom britischen Industriellen Joseph Beverley Fenby im 19. Jahrhundert entworfenen Tripolina Chair. Dieser vereinte erstmals Leder und Holz mit Metall und sollte die Verschmelzung von Kunsthandwerk und industrieller Fertigung propagieren.

5 Millionen Kopien in einem Jahrzehnt

Im Rahmen des dritten Salon de Artistas Decoradores, einer Einrichtungsmesse in Buenos Aires, wurde der Hardoy Butterfly Chair 1940 erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt und bereits ein Jahr später in die ständige Kollektion des Museum of Modern Art (New York) aufgenommen. Kurze Zeit darauf erwarb Artek-Pascoe Lizenzrechte zur Produktion des Sessels in den USA und übertrug diese 1948 an Knoll Associates. Das mit der Herstellung durch namhafte Produzenten verbundene Renommee führte zu einem sprunghaften Anstieg nicht autorisierter Nachbauten, allein in den 1940er Jahren sollen über 5 Millionen Butterfly Chairs hergestellt worden sein. Nach zahlreichen juristischen Auseinandersetzungen stellte Knoll die Produktion 1951 ein. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Hardoy Butterfly Chair in regelmäßigen Abständen wiederaufgelegt – Anfang 2012 durch unser Haus.

Die Moderne im Blick

Jorge Ferrari-Hardoy zählt zu den bedeutendsten Architekten Argentiniens. Neben Stadtplanung und Wohnungsbau widmete er sich ab Mitte der 1930er Jahre auch der Konzeption zeitgemäßer Inneneinrichtung, der Butterfly Chair gilt als sein bekanntester Entwurf.

Ferrari-Hardoy studierte bis 1937 an der Escuela de Arquitectura in Buenos Aires. Anschließend reiste er nach Europa und verbrachte mit seinem Studienkollegen Juan Kurchan einige Zeit in Paris. Inspiriert von Le Corbusier, der als Vertreter des Congres Internationaux d'Architecture Moderne (CIAM) ein besonderes Interesse an Lateinamerika besaß, wirkten beide am städtebaulichen Masterplan für Buenos Aires mit. Neben seiner Tätigkeit als Stadtplaner war Ferrari-Hardoy u.a. an den Regulierungsplänen von Mendoza und San Nicolás sowie 1944 an der Rekonstruktion der Stadt San Juan beteiligt. Von 1947 bis 1951 arbeitete er mit Jorge Vivanco, dem argentinischem Delegierten des CIAM. Zudem war Ferrari-Hardoy als Dozent an der Escuela Industrial in La Plata, der Escuela de Arquitectura y Urbanismo de la Universidad del Litoral und an der Universität von Buenos Aires tätig.

Jorge Ferrari-Hardoy gehört zur Generation argentinischer Architekten, die für die Ideen der Moderne eintraten. Als Gründungsmitglied der Architekturgruppe Austral setzte er gemeinsam mit Juan Kurchan und dem katalanischen Architekten Antoni Bonet die Arbeit der Komitees von CIAM und CIRPAC (Comité International pour la Résolution des Problèmes de l’Architecture Contemporaine) fort.

Ein Möbel im Geist von Le Corbusier

Austral entwickelte richtungweisende Projekte, diskutierte theoretische und praktische Aspekte zeitgenössischer Architektur, nahm an Ausstellungen, Wettbewerben und Kongressen teil. Zudem suchten die Mitglieder der Gruppe aktiv den Ideen- und Erfahrungsaustausch mit Architekten anderer Länder, gaben die Zeitschrift Nosotros ("Wir") heraus, organisierten Kulturveranstaltungen und bezogen Maler, Bildhauer, Musiker, Fotografen, Ärzte, Soziologen und Pädagogen in ihre Arbeiten ein.

Ab 1937 wurde das Büro u.a. mit Planungen für eine Universitätsstadt auf dem Gelände des ehemaligen Hafens von Buenos Aires, Wohnbauten im sozial schwachen Südteil der Stadt und der Errichtung von Krankenhäusern, Sportstätten und Schulen im Umfeld der zentralen Avenida Corrientes beauftragt. Dabei legten Ferrari-Hardoy und Kollegen Wert auf die Verwendung zusammensetzbarer Industrieelemente und setzten geschwungene Glasflächen und Sonnenblenden ein, wie es die Ateliers (1938) an der Straßenkreuzung Suipacha und Paraguay beweisen. Ferrari-Hardoy arbeitete eng mit Juan Kurchan zusammen und entwickelte gemeinsam mit ihm von 1941 bis 1944 ein Wohnhaus im Hafenviertel Belgrano, das wegen eines in der Mitte des Komplexes eingepflanzten Baumes weit über die Landesgrenzen hinaus Berühmtheit erlangte. Gemeinsam mit Bonet und Kurchan entwarf Ferrari-Hardoy 1938 den Loungesessel BKF, dessen Ursprungstitel sich aus den Anfangsbuchstaben seiner Schöpfer zusammensetzte und bis heute besser als Butterfly Chair oder Fledermaussessel bekannt ist. Mit seiner aussergewöhnlichen Formgebung erlangte der Sessel schnell Bekanntheit und zählte bereits zwanzig Jahre später zu den Ikonen zeitgenössischen Designs.

Ein frühes Meisterwerk

Mit seinem skulpturalen Design, geringen Gewicht und hohen Sitzkomfort gilt der Tripolina der Vorläufer des Hardoy Butterfly Chairs. Einer breiteren Öffentlichkeit erstmals 1904 während einer Messe im US-amerikanischen Saint Louis vorgestellt, erfreute sich der Tripolina Chair im Anschluss rasch großer Beliebtheit.

Der Sessel und ein dazugehöriger Campinghocker wurden 1855 vom englischen Industriellen Joseph Beverly Fenby entwickelt und im Jahr 1877 durch das britische Patentamt urheberrechtlich geschützt (1881 in den Vereinigten Staaten). Die J. B. Fenby Co. fertigte zunächst den Tripolina, führte den Sessel jedoch nicht im Markt ein und meldete Ende 1879 Konkurs an. Nach der Vorstellung des Sessels in Saint Louis wurden das Design u.a. an französische und italienische Hersteller sowie an Gold Medal Inc. aus Wisconsin, USA, lizenziert. Gold Metal rüstete seinerzeit das US-amerikanische Militär aus und fertigte darüberhinaus Camping- und Gartenmöbel. Dank Gold Metal’s Vertriebsnetzes fand der Tripolina im Anschluss seinen Weg zu namhaften Einzelhändlern, u.a. Abercrombie and Fitch in New York. In Europa erlangte der Fenby Chair unter Offizieren, Safari- und Strandurlaubern rasche Beliebtheit. Neben der US-Armee und den britischen Streitkräften setzte vor allem auch das italienische Militär auf die Vielseitigkeit des Sessels, so u.a. in den 1930er Jahren während eines Feldzuges in Lybien. Der Name wurde vermutlich der lybischen Hauptstadt Tripolis entlehnt, heutzutage ist der Sessel weltweit als Tripolina Chair bekannt.

Flexible Handhabung, beispielloser Sitzkomfort, ikonisches Design

Die ursprüngliche Ausführung des Gestells wurde aus Holz und Metall gefertigt und um einem Sitzbezug aus Leinen oder Büffelleder ergänzt. Dank seines geringen Gewicht und hohen Sitzkomforts galt der Tripolina Chair als frühes Beispiel gestalterischer Exzellenz. Namhafte Nutzer wie Theodore Roosevelt, Thomas A. Edison und der Biologe Aldo Leopold wussten die flexible Handhabung des Sessels ebenso zu schätzen wie unzählige Offiziere, Safarijäger, Entdecker und Abenteurer weltweit.

WEINBAUMS hat den ursprünglichen Entwurf des Fenby Tripolina Chairs weiterentwickelt und setzt für dessen Bespannung nur vegetativ gegerbte Leder aus katalanischer Produktion ein. Für die Fertigung des Sessels verwenden wir Holz der patagonischen Kirsche, das Gestell ist klappbar und witterungsbeständig.